Hettstedt stellt die Weichen für die Zukunft. Durch eine umfassende Modernisierung der Hauptanschlussbahn im Industriegebiet Hettstedt/Großörner wird die logistische Infrastruktur der Region grundlegend neu aufgestellt. Das Großprojekt sichert nicht nur den Bestand ansässiger Weltmarktführer, sondern schafft auch Raum für neue Ansiedlungen.
HETTSTEDT. Die offizielle Bestätigung ist erfolgt: Mit der Übergabe der Förderbescheide Anfang Januar 2026 ist der Startschuss für eines der bedeutendsten Infrastrukturvorhaben im Landkreis Mansfeld-Südharz gefallen. Insgesamt fließen über 25 Millionen Euro in die Erneuerung des Gleisnetzes und der dazugehörigen Ingenieurbauwerke.
Förderung durch Strukturwandelmittel
Rund 23,5 Millionen Euro der Investitionssumme werden durch Bundes- und Landesmittel aus dem Programm „Sachsen-Anhalt Revier 2038“ finanziert. Das Projekt ist damit ein zentraler Baustein des Strukturwandels nach dem Kohleausstieg. Ziel ist es, die industrielle Wettbewerbsfähigkeit Hettstedts langfristig zu festigen und den Güterverkehr konsequent von der Straße auf die Schiene zu verlagern.
Fokus auf Bestandsgarantie und Logistik-Effizienz
Hauptrückgrat der Strecke ist die Versorgung der KME Mansfeld GmbH. Das Unternehmen ist als einer der weltweit größten Kupferverarbeiter auf leistungsfähige Transportwege angewiesen. Die Modernisierung ermöglicht es, höhere Tonnagen und moderne Waggontypen einzusetzen, was die Logistikkosten senkt und die Umweltbilanz verbessert.
Darüber hinaus werden bisher ungenutzte Flächen entlang der Trasse schienentechnisch erschlossen. Dies macht das Industriegebiet für Neuansiedlungen attraktiv, die auf eine nachhaltige „Green Logistics“-Strategie setzen.
Die technischen Herausforderungen: Sechs Brücken im Fokus
Den komplexesten Teil der Bauarbeiten bilden sechs Brückenbauwerke, die aufgrund ihres Alters und der gestiegenen Anforderungen grundlegend saniert werden müssen.
– Der Schmalzgrund-Viadukt: Das markanteste Bauwerk der Strecke, eine rund 156 Meter lange Bogenbrücke, steht vor einer umfassenden statischen Ertüchtigung.
– Planungslose 7 und 8: Hier laufen bereits die spezifischen Planungen für Tragwerke, die künftig massiv höheren Achslasten standhalten müssen.
Die Sanierung dieser Bauwerke ist alternativlos: Ohne diese Maßnahmen drohten langfristig Sperrungen, die den Industriestandort massiv gefährden würden.
Zeitplan der Umsetzung
Das Gesamtvorhaben ist in sechs Bauabschnitte unterteilt. Während die Planungsphase bereits läuft, werden die ersten umfassenden Baumaßnahmen an den Gleisanlagen für die zweite Jahreshälfte 2027 erwartet. Das Projekt ist langfristig angelegt und soll bis zum Jahr 2035 vollständig abgeschlossen sein.
Mit dem Abschluss der Arbeiten wird Hettstedt über eines der modernsten industriellen Anschlussbahnsysteme in Sachsen-Anhalt verfügen.



