„Eine Currywurst mit Pommes liegt in einer klassischen weißen Pappeschale auf einem rustikalen Holztisch. Die Wurst ist in Stücke geschnitten und mit roter Currysauce sowie Currypulver bedeckt. Daneben liegen goldgelbe Pommes frites. Im Hintergrund steht eine kleine Tafel mit der Aufschrift ‚12 €‘.

Aufregerthema zum Saisonstart: 12 Euro für Currywurst mit Pommes – Abzocke oder bittere Freibad-Realität?

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Hettstedt. Pünktlich zu den ersten heißen Tagen des Jahres kocht in den sozialen Netzwerken der Stadt die Volksseele hoch. Der Grund ist ein Klassiker des Freibad-Besuchs, der vielen Gästen in dieser Saison allerdings schwer im Magen liegt: Am Kiosk des Hettstedter Freibads verlangt der private Betreiber stolze 12 Euro für eine Portion Currywurst mit Pommes.

In den lokalen Facebook-Gruppen und Diskussionsforen brennt seither die Luft. „Das sind circa 5 Euro zu viel“, kommentiert eine Nutzerin, während andere von „mehr als frech“ oder gar „Abzocke“ sprechen. Erste Aufrufe, den Kiosk im Freibad komplett zu boykottieren („Da dürfte keiner was kaufen“), machen bereits die Runde. Manch einer vergleicht das Preisniveau frustriert mit dem jüngsten Kupferfest oder rechnet vor, dass eine Familie bei diesen Preisen schnell ein kleines Vermögen für den Nachmittagssnack loswird.

Doch ist der Preis wirklich reine Willkür, oder steckt mehr dahinter? Hettstedt Live hat recherchiert, wie sich die Preise im bundesweiten Vergleich einordnen und warum die Kalkulation am Freibad-Becken so extrem ausfällt.

Der bundesweite Vergleich: Hettstedt an der Obergrenze

Schaut man in die aktuellen Erhebungen zum Saisonstart 2026, unter anderem durch den Verband kommunaler Unternehmen (VKU) , wird deutlich: Der Hettstedter Kiosk kratzt am oberen Limit, steht aber nicht völlig allein da.

  • Pommes solo: Während der bundesweite Schnitt für eine Portion Pommes bei 3,50 Euro bis 5,00 Euro liegt, berichten Badegäste aus Hettstedt, dass hier allein für die Pommes bereits 5,50 Euro fällig werden.
  • Das Kombi-Menü: In den meisten deutschen Freibädern pendelt das klassische Menü aus Currywurst und Pommes aktuell zwischen 8,50 Euro und 10,50 Euro. Mit 12,00 Euro liegt der hiesige Preis also gut 1,50 Euro bis 2,00 Euro über dem Durchschnitt und bewegt sich damit eher auf dem Niveau von Großstadt-Freibädern oder kommerziellen Freizeitparks.

Warum die Preise explodieren: Die Sicht des Betreibers

So verständlich der Frust der Familien ist, so brutal ist oft die wirtschaftliche Realität für die Gastronomen. Dass Freibad-Preise nicht mit der Stamm-Imbissbude in der Innenstadt konkurrieren können, hat handfeste Gründe:

  1. Das Wetter-Risiko (Saisonbetrieb): Ein Freibad-Kiosk muss seinen Jahresumsatz in einem extrem kurzen Zeitfenster von kaum drei bis vier Monaten erwirtschaften. Regnet es im Juni wochenlang, bleibt der private Pächter auf seinen Fixkosten sitzen.
  2. Die Gastro-Inflation: Die Einkaufspreise für Fleisch, Frittieröl und Kartoffelprodukte sind massiv gestiegen. Hinzu kommen hohe Energiekosten für den Dauerbetrieb der Fritteusen und Kühlungen.
  3. Die Existenzsicherung im Kleinbetrieb: Oftmals stecken hinter solchen Freibad-Kiosken kleine Familienbetriebe, die die arbeitsintensiven Stoßzeiten komplett in Eigenregie und mit enormem persönlichem Einsatz absichern. Ohne ein zweites, ganzjähriges Standbein im Hintergrund muss dieser eine Saisonbetrieb an den wenigen schönen Tagen die gesamte Existenz und den Lebensunterhalt für das restliche Jahr mitsichern, was ein enormer wirtschaftlicher Druck ist, der sich am Ende in der Kalkulation niederschlägt.

Die Kehrseite: Niemand wird gezwungen

In den Social-Media-Kommentaren mischen sich unter die berechtigte Empörung auch vereinzelt mahnende Stimmen. „Niemand wird gezwungen, dort etwas zu essen“, gibt ein Hettstedter zu bedenken. Wer die Preise nicht zahlen möchte, kann schließlich auf die klassische Kühltasche mit selbst geschmierten Bemmen und Melonenstücken zurückgreifen, denn das schont den Geldbeutel und ist im Freibad seit jeher gängige Praxis.

Klar ist aber auch: Wenn der Pächter das Geschäft am Ende nicht mehr kostendeckend betreiben kann, droht dem Kiosk im schlimmsten Fall die Schließung. Und eine komplett kalte Küche im Freibad wäre für die Attraktivität des Bades wohl die schlechteste Lösung.

Fazit

Die 12 Euro für die Freibad-Currywurst sind ein harter Brocken, besonders für Familien mit Kindern. Sie sind das Resultat einer schwierigen Mischung aus gestiegenen Betriebskosten und dem extremen Wetterrisiko eines reinen Saisonbetriebs. Ob die Strategie des Betreibers auf Dauer aufgeht oder ob die Badegäste in diesem Sommer vermehrt mit der eigenen Verpflegung anrücken, wird sich an den kommenden heißen Tagen zeigen.

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