100 Tage Frank Tallig: Das große Bilanz-Interview – Zwischen harten Fakten und großen Visionen
HETTSTEDT – Seit Anfang Februar führt Frank Tallig die Geschicke der Kupferstadt. In einem umfassenden Interview mit „Hettstedt Live“ spricht der Bürgermeister so detailliert wie nie zuvor über seine erste Bilanz. Dabei wird deutlich: Hinter der sachlichen Fassade des Juristen steckt ein engagierter Gestalter, der für Hettstedt klare Prioritäten setzt und auch vor den schwierigen Themen nicht zurückweicht.
Der Sprung ins Licht: Zwischen Skepsis und Verantwortung
Der Amtsantritt war für Frank Tallig eine Zäsur. Er verschweigt nicht, dass er der großen Verantwortung anfangs skeptisch gegenüberstand und sich fragte, ob die Entscheidung zur Kandidatur richtig war.
„Tatsächlich gab es Momente nach dem Aufwachen, in denen ich mich fragte, worauf ich mich da eigentlich eingelassen habe“, gibt Tallig offen zu.
Besonders die ständige mediale Präsenz, die Fülle an öffentlichen Veranstaltungen und das Erkanntwerden im Alltag empfindet er als größte Umstellung für sein Privatleben. Doch die tägliche Arbeit gab ihm schnell Sicherheit: Die bisherigen Gespräche und gelösten Probleme zeigten ihm, dass der Schritt ins Rathaus kein Fehler war. Er betont: „Dennoch gab es inhaltlich wenig Überraschungen, da mir die Verwaltungsprozesse grundsätzlich vertraut sind.“
Die Infrastruktur im Fokus: Der enorme Sanierungsstau
Auf die Frage, was er mit einem „Schnipsen“ sofort ändern würde, wenn Geld und Stadtratsbeschlüsse keine Rolle spielten, antwortet Tallig ohne Zögern: die Sanierung der Straßen.
Hier wird er im Interview besonders deutlich: Der Sanierungsstau in Hettstedt ist mittlerweile so gewaltig, dass er ihn als eine seiner größten Sorgen beschreibt. Das Problem liegt vor allem an den fehlenden Fördermitteln, was es fast unmöglich mache, kurzfristig spürbare Abhilfe zu schaffen. In diesem speziellen Punkt, so Tallig, käme ihm ein wenig „Hokuspokus“ gerade recht, um die tiefen Löcher in der Infrastruktur und im Haushalt gleichzeitig zu stopfen. Es ist ein Thema, bei dem er den Ärger der Bürger als Privatperson absolut nachempfinden kann, ihm aber als Bürgermeister aufgrund rechtlicher und finanzieller Rahmenbedingungen oft die Hände gebunden sind.
„Ich möchte mich nicht nur ärgern und meckern, ich möchte lieber Teil der Lösung sein und mich bestenfalls freuen, was ich bewegt habe“, so Tallig zu seiner Motivation trotz knapper Kassen.
Ein Symbol für den Aufbruch: Die Vision vom Ratskeller
Ein weiteres Herzensprojekt, das bereits im Wahlkampf eine zentrale Rolle spielte, ist der Ratskeller. Für Tallig ist dies weit mehr als nur eine gastronomische Einrichtung. Er sieht darin ein wichtiges Symbol für die Menschen: Wenn der Ratskeller wieder öffnet, ist das das sichtbare Zeichen dafür, dass sich in Hettstedt endlich etwas bewegt.
Die Wiederbelebung des Ratskellers soll den Markt wieder attraktiver machen und das Stadtzentrum beleben. Und er fügt eine persönliche, schmunzelnde Note hinzu: „Er würde mir ganz eigennützig auch den ein oder anderen langen Arbeitstag kulinarisch versüßen“. Er ist sich sicher:
„Wenn sich spürbar etwas in der Stadt bewegt und der Markt durch den Ratskeller wieder mehr zum Zentrum wird, ist viel gewonnen.“
Ein neuer Stil: Transparenz gegen verhärtete Fronten
Tallig betont, dass sein Ziel ein „kommunikativer Neustart“ ist. Er will weg von verhärteten Fronten und hin zu mehr Transparenz, da dies der einzige Weg sei, Vertrauen und Verständnis für Politik zu schaffen.
„Am Ende bin ich selbst ja auch nur ein Mensch, der Adressat von behördlichen Maßnahmen und bürokratischer Regeln ist und daran schon mal verzweifelte“, erklärt er seinen persönlichen Blickwinkel.
Sein Ansatz: Wenn man den Menschen erklärt, warum bestimmte Entscheidungen so getroffen werden müssen, schafft das Akzeptanz. „Ich möchte nicht nur meckern, ich möchte lieber Teil der Lösung sein“, so sein Credo für die kommenden Jahre.
Kraftquellen: Wo der Bürgermeister auftankt
Trotz der fordernden Tage, die er oft mit nach Hause nimmt, findet er seinen Ausgleich in der eigenen Familie und der Ruhe im Garten. „Die Sorgen nimmt man zwangsläufig mit an den Abendbrotstisch“, gesteht er, doch der Rückzug ins Private sei sein wichtiger Ruhepol.
Ein bewegendes Highlight seiner ersten 100 Tage war die Benefizgala der Neudorfer-Narren, deren Einsatz für krebskranke Kinder ihm tiefen Respekt abverlangte. Er unterstreicht: „Was dieser Verein bewegt und auf die Beine stellt, verdient unser aller Höchstachtung.“
Fazit und Ausblick
Für das Ende seiner ersten Amtszeit hat Frank Tallig eine klare Vision: Er wäre zufrieden, wenn die Stadt in der Gesamtschau nach seiner Amtszeit besser dasteht als davor und sein Einsatz sich gelohnt hat. Er schließt mit den Worten:
„Ich hoffe, dass die Menschen auch in fünf Jahren wissen, dass wir hinter ihnen stehen und immer bereit sind, gemeinsam etwas zu bewegen.“
Foto: Stadt Hettstedt
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