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Kulturclash im Frühstücksfernsehen: Was hatte Ikkimel im ZDF-Morgenmagazin verloren?

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Es sollte wohl ein Hauch von EM-Party und jugendlicher Frische sein, endete aber in einem bizarren TV-Fiebertraum: Der Live-Auftritt der Berliner Techno-Rapperin Ikkimel im ZDF-Morgenmagazin (MoMa) sorgt im Netz für massive Diskussionen. Während die Social-Media-Abteilung des Senders die Klicks feiert, bleibt die Frage: Hat das öffentlich-rechtliche Fernsehen hier den Kompass verloren?

Es ist Montagmorgen, kurz nach halb neun. Zwischen politischer Berichterstattung, Wetterberichten und seriösem Journalismus schaltet das ZDF live in seine EM-Arena. Was dann folgt, lässt das Müsli im Hals stecken bleiben. Rapperin Ikkimel, bekannt für explizite Texte über Drogen, Sex und Berliner Club-Exzesse, performt im knappen Minirock ihren aktuellen Track „Fußballmänner“.

Voll-Playback und versteinerte Mienen

Der Auftritt entpuppt sich schnell als handwerklicher Offenbarungseid. Ikkimel rappt offensichtlich Voll-Playback, bewegt die Lippen phasenweise komplett asynchron zum Beat und kann sich ein Kichern über die Absurdität der eigenen Situation kaum verkneifen. Vielsagend sind jedoch die Bilder, die die ZDF-Regie im Studio einfängt: Schockstarre auf ganzer Linie. Die Kameras halten erbarmungslos im Close-up auf fassungslose Gesichter von älteren Zuschauern, betretene Blicke Richtung Hallenboden und sichtlich irritierte Kinder, die mit ihren Familien in die Arena gekommen waren.

Zeilen wie „Fußballmänner, alles Penner […] Tiki-Taka in ’nem Tanga“ dröhnen am helllichten Morgen durch den öffentlich-rechtlichen Äther. Moderator Andreas Wunn versucht im Nachgang eilig zu glätten: „Das ist Provokation und Kunst und trifft gerade einen Nerv bei der Gen Z.

Die Reaktionen: Zwischen „Hurz 3.0“ und Gebühren-Wut

Das Netz explodierte prompt. Medienprofis wie Micky Beisenherz amüsierten sich köstlich und verglichen die Nummer mit Hape Kerkelings legendärer Kultur-Satire „Hurz“. Auch ZDF-Kollegin Dunja Hayali nannte den Clip auf Instagram schlicht „Gold“.

Weniger humorvoll reagieren die Beitragszahler. Auf den offiziellen Social-Media-Kanälen des ZDF sammelt sich seither eine massive Welle der Empörung. Der Tenor: Für dumm verkaufte Zuschauer, vulgärer Männerhass am Morgen und die berechtigte Frage, warum für derart inhaltslose Performance Rundfunkgebühren fließen.

Kommentar: Klicks schlagen Bildungsauftrag

Man muss der MoMa-Redaktion zugutehalten: Sie wussten genau, was sie tun. In Zeiten schwindender linearer Quoten und einer extrem überalterten Zuschauerschaft leidet das ZDF unter permanentem Relevanzdruck. Der Auftritt war kein Versehen, sondern kalkulierter Krawall, um auf TikTok und Instagram viral zu gehen. Das hat funktioniert, denn die Klickzahlen stimmen.

Doch der Preis dafür ist hoch. Wenn das öffentlich-rechtliche Fernsehen eine Künstlerin, deren musikalischer Kern aus maximaler Vulgarität besteht, zur besten Sendezeit vor Kindern auftreten lässt, verlässt es seinen ureigenen Bildungs- und Kulturauftrag. Das ist kein mutiger Brückenbau zur „Gen Z“, sondern das billige Kopieren von Trash-TV-Mechanismen auf Kosten des eigenen Publikums. Provokation im Pop ist wichtig und richtig, aber im Frühstücksfernsehen des ZDF wirkte sie in diesem Fall aber einfach nur deplatziert und peinlich erzwungen.

Titelbild: Screenshot

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