After-Work-Premiere in Hettstedt: Endlich wieder Leben unter der Woche, doch die Politik lässt die neue Kupferkönigin im Regen stehen
Hettstedt. Es ist das Signal, auf das viele Hettstedter lange gewartet haben: Endlich ist unter der Woche wieder richtig Leben in unserer Stadt! Am gestrigen Donnerstag feierte die After-Work-Party ihren lang ersehnten, stimmungsvollen Auftakt. Das frisch ins Leben gerufene Format soll den Hettstedtern künftig regelmäßig die Möglichkeit bieten, den Feierabend gemeinsam in geselliger Runde zu verbringen. Organisiert wurde diese rundum gelungene Premiere federführend durch die Pressesprecherin der Stadt, Christin Saalbach. Der Einstand war ein voller Erfolg auf ganzer Linie und bot direkt ein glanzvolles Highlight: Die Wahl der neuen Kupferkönigin. Doch während Bürger, Wirtschaft und Stadtverwaltung an einem Strang zogen, hinterließ das kollektive Fehlen weiter Teile der lokalen Politik bei uns von Hettstedt Live weit mehr als nur Fragezeichen; es ist ein politisches Armutszeugnis.
Ein Abend voller Glanz und Hettstedter Herzblut
Die Premiere hätte kaum einen schöneren, würdevolleren Rahmen bieten können. Gefeiert wurde dabei nicht auf dem gesamten Marktplatz, sondern ganz gezielt und kompakt im gemütlichen Bereich zwischen der St. Jakobi Kirche und dem Rathaus, direkt an den Rathaustreppen zur Grundschule. Genau diese bewusste Eingrenzung erwies sich als absoluter Glücksgriff: Der Bereich verwandelte sich in eine lebendige, wunderbar überschaubare Festmeile voller Vorfreude. Durch diese Kompaktheit entstand eine herrlich dichte, familiäre Atmosphäre, die maßgeblich zum großen Erfolg des Abends beitrug.
Im absoluten Mittelpunkt des Geschehens stand eine der wichtigsten und traditionsreichsten Entscheidungen für das Repräsentationswesen unserer Heimatstadt: In einem offiziellen, hochspannenden Verfahren wurde die neue Majestät gewählt. Drei hervorragende Kandidatinnen stellten sich der Herausforderung und machten es der Jury mit ihrem Charme, ihrem Wissen und ihrer Ausstrahlung sichtlich schwer: die amtierende Kupferkönigin Melina Nikola Schmidt, Celice König und Heidi Kasperski.
Die Jury war hochkarätig besetzt und nahm ihre Aufgabe mit großer Sorgfalt wahr: Bürgermeister Frank Tallig, Mario Arnold (Geschäftsführer der Stadtwerke Hettstedt GmbH) und Manuela Hupasch (Gebietsleiterin der Sparkasse Mansfeld-Südharz) berieten intensiv, um die beste Wahl für unsere Stadt zu treffen. Durch die exzellent vorbereitete Wahl und die wunderbar charmante Moderation führte Franziska Hillmer von „einfallzreich“, die das Publikum auf der Bühne perfekt mitriss.
Die Entscheidung fiel am Ende auf Heidi Kasperski, die nun eine wundervolle zweijährige Amtszeit vor sich hat. Bis zur offiziellen Krönung beim traditionellen Kupferfest im Oktober dauert es zwar noch etwas, aber der gestrige Abend war bereits ein glamouröser und vielversprechender Vorgeschmack.

Dass die Hettstedter eine unbändige Lust auf Gemeinschaft und Leben in der City haben, zeigte sich trotz des Wetters: Selbst von leichtem, hartnäckigem Nieselregen ließ sich niemand die Laune verderben. Die Kulisse zwischen Kirche und Rathaus strahlte eine wunderbare, behagliche Feierabend-Atmosphäre aus. Das DJ Team Seb & Wechsel untermalte das Beisammensein mit dem perfekten Soundtrack, sodass die Party gut gelaunt bis 22:00 Uhr lief. Für die erstklassige Versorgung war ebenfalls gesorgt: Der FC Hettstedt stemmte gewohnt souverän und mit bester Laune die Getränkeversorgung am Zapfhahn, während der Streetfood-Truck „FoodXperience“ für absolute kulinarische Highlights sorgte. Die Besucherzahlen waren für den Neustart absolut „okay“ und die großartige Stimmung unter den Gästen hat bewiesen, dass hier ein starkes Fundament für die kommenden After-Work-Termine gelegt wurde.
Hettstedt Live meint: Desinteresse statt Bürgervertretung – Wo war der Stadtrat?
So viel Lob die Organisatoren, die Jury, die Moderatorin, die engagierten Gewerbetreibenden und die Vereine für diese wichtige Belebung der Innenstadt verdient haben, so scharf müssen wir als Hettstedt Live den Finger in eine tiefe politische Wunde legen: Da wird nach langer Zeit endlich ein neues, regelmäßiges Event-Format für die Bürger aus der Taufe gehoben, eine neue Repräsentantin der Stadt wird gewählt und unsere gewählten Volksvertreter glänzen fast vollständig durch Abwesenheit.
Das Wort „Schwänzen“ ist hierbei eigentlich schon viel zu mild ausgedrückt. Es ist politisch fatal und gelinde gesagt ein Schlag ins Gesicht für jeden engagierten Bürger. Gerade einmal zwei Stadträte schafften es an diesem Abend auf das Gelände zwischen Rathaus und Kirche: Steffi Rieger (parteilos) und Hartmut Träger (AfD). Zwei von einem gesamten Gremium! Und rausreden kann sich dieses Mal beim besten Willen niemand, denn die Ausrede „Wir wussten von nichts“ zieht nicht. Die Veranstaltung wurde vom Bürgermeister selbst im jüngsten Stadtrat bei den offiziellen Terminen ausdrücklich angekündigt.
Wer nun in den sozialen Netzwerken die typische, fast schon peinliche Frage in den Raum wirft: „Ja, wurden die Stadträte denn überhaupt offiziell eingeladen?“, dem halten wir in aller Deutlichkeit entgegen: Für eine solche Veranstaltung benötigt man als Stadtrat keine goldumrandete Einladungskarte mit persönlicher Verbeugung!
Es gehört schlicht zum Grundverständnis und zur Pflicht eines gewählten Volksvertreters, bei genau solchen Terminen Präsenz zu zeigen. Es war die goldene Gelegenheit, endlich mal wieder ungezwungen mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen und den zahlreichen Gewerbetreibenden vor Ort den Rücken zu stärken, die das wirtschaftliche Herz unserer Stadt bilden. Wer hier fehlt, demonstriert kein Zeitproblem, sondern ein massives Desinteresse an den Menschen vor Ort.
Das Argument „Ich hatte keine Zeit“ lassen wir bei einem Zeitfenster von 17:00 Uhr bis 22:00 Uhr nicht gelten. In diesen fünf Stunden hätte wirklich jeder Stadtrat Zeit für wenigstens einen Kurzbesuch finden können, um Respekt zu zollen. Wenn das Interesse an den Belangen der eigenen Stadt und ihrer Bürger aber anscheinend nur im Wahlkampf existiert, darf man sich über wachsende Politikverdrossenheit nicht wundern.
Die frisch gewählte Kupferkönigin Heidi und die engagierten Macher des Abends hätten zum Start definitiv echten Rückhalt aus der Politik verdient gehabt, statt nur die üblichen Lippenbekenntnisse in den Sitzungssälen.

Ein großes Dankeschön unserer Redaktion gilt allen, die diesen Abend möglich gemacht haben: Christin Saalbach für die Organisation, Franziska Hillmer von „einfallzreich“ für die souveräne Moderation, dem DJ Team Seb & Wechsel für die Musik, dem FC Hettstedt für die Getränke, dem Team von FoodXperience für die hervorragende Verpflegung sowie allen weiteren Beteiligten, die diesen Neustart auf die Beine gestellt haben. Den beiden Stadträten, die Charakter und Präsenz zeigten, gilt unser besonderer Respekt.
