Von Mansfeld-Südharz in die „Anderswelt“ – Frieda über ihr Leben als moderne Hexe
In unserer neuen Serie stellen wir Menschen vor, die ihre Wurzeln in der Region Mansfeld-Südharz haben und heute außergewöhnliche Wege gehen. Eine von ihnen ist die 27-jährige Frieda. Nach einem Psychologiestudium in Berlin hat sie sich als Hexe und Medium selbstständig gemacht. Für Hettstedt Live gibt sie uns einen exklusiven und tiefen Einblick in eine Welt, die viele nur aus Filmen kennen und erklärt, warum Magie für sie ein Handwerk ist, das jeder lernen kann.
Hettstedt Live EXKLUSIV
Frieda lebt heute in Berlin Kreuzberg/Neukölln. Wer sie dort trifft, sieht eine junge Frau, die ihren Master in Psychologie abgeschlossen hat und in ihrer Freizeit leidenschaftlich gerne tanzt. Doch hinter der Fassade der Akademikerin steckt eine Frau, die sich bereits vor sieben Jahren dazu entschied, ihren spirituellen Gaben professionell zu folgen.
Ein Gespür für den Übergang
Schon früh merkte Frieda, dass sie „anders“ war und sich oft fühlte, als ob sie nicht ganz in ihr Umfeld hineinpasste. Ein prägendes Erlebnis war der Tod ihres Großvaters: „Als Kind habe ich nach dem Tod von meinem Opa gesehen, wie er ‚ins Licht gegangen ist‘. Ich wusste nicht ganz, was da passiert, aber ich wusste: Da ist Opa, er hat jetzt alles auf der Erde erledigt“.
Dieses Gespür für den Übergang zwischen Leben und Tod begleitete sie weiter. Frieda erklärt uns, dass es Hexen gibt, die das neue Leben (wie Schwangerschaften) sehen, während sie zu denen gehört, die den Tod spüren können. Dies wurde ihr schmerzhaft bewusst, als sie mit 19 Jahren in Ecuador wanderte. Ohne Empfang spürte sie „bis in ihre Knochen“, dass ihr Hund in der Heimat gestorben war – eine Vorahnung, die sich später durch ihren erschütterten Vater bestätigte.
Der Weg zur praktizierenden Hexe
Obwohl Frieda einen logischen und skeptischen Verstand besitzt, ließen die Ereignisse für sie keinen Zweifel mehr offen: „Energien und übernatürliche Sachen müssen mehr sein als Hokuspokus“. Während ihres Studiums führte sie eine Freundin durch das Lesen ihres Astrologie-Charts tiefer in die Materie. Die Informationen waren so spezifisch, dass Frieda sie nicht mehr als Generalisierungen abtun konnte. Sie kaufte ihr erstes Tarot-Deck und begann, intuitiv Rituale durchzuführen.
„Als die Rituale dann auch noch wunderbar gewirkt haben, war klar: Ok, ich bin jetzt eben eine Hexe“. Dennoch rät sie heute zur Vorsicht: Man sollte durchaus das ein oder andere Fachbuch lesen, bevor man losstartet, statt rein intuitiv zu handeln.

Der Arbeitsalltag zwischen Meditation und Zoom
Friedas Alltag ist heute eine Disziplin der Konzentration. Vormittags widmet sie sich ihrer Ausbildung als Medium, bei der sie lernt, als „Kanal“ zwischen der physischen und der geistigen Welt zu fungieren. Dazu meditiert sie täglich ein bis zwei Stunden. In energetischen Readings kann sie so emotionale Blockaden anderer Menschen spüren. Erst kürzlich konnte sie einer Klientin durch ein visionäres Bild helfen, ihre alte Leidenschaft für das Malen als Therapie wiederzuentdecken.
Die Arbeit als Hexe ist dabei weit weniger „instagrammable“, als viele vermuten. „Es sieht von außen wahrscheinlich affig aus, wie ich eine Stunde mit Kräutern rede und ihnen sage, was sie zu tun haben“, gibt sie schmunzelnd zu. Ein echtes Ritual dauert mindestens drei Stunden und umfasst Meditation, Visualisierungen und intensive Energiearbeit. Da dies sehr anstrengend ist, führt sie solche Arbeiten nicht jeden Tag durch. Ihre Services, wie Kartenlegungen, bietet sie modern via Zoom an.
Zwischen Vorurteilen und Selbstbestimmung
Mit zwei großen Vorurteilen will Frieda in unserem Interview aufräumen: „Hexen sind nicht alles verrückte Satansanbeterinnen, die komplett die Realität verloren haben und man muss nicht als Hexe geboren werden. Jeder kann das lernen“. Sie vergleicht die Magie mit dem Gebet zu einem Gott: Wenn jemand um Heilung bittet, wird er nicht für unzurechnungsfähig erklärt – bei Hexen ist die gesellschaftliche Akzeptanz jedoch oft noch eine andere.
Aufgrund von Mobbing-Erfahrungen in ihrer Schulzeit hat sie jedoch gelernt, mit Ablehnung umzugehen: „Es wird immer Menschen geben, die mich nicht verstehen und mich nicht mögen. Aber das ist dann halt nicht mehr mein Problem“.
Die Brücke zur Wissenschaft
Besonders spannend ist Friedas Haltung zur Wissenschaft. Als studierte Psychologin sieht sie keinen Widerspruch zwischen Fakten und Spiritualität. „Für mich steht fest, dass man Medizin und Psychologie immer vor einem Ritual bevorzugen sollte. Wenn du psychische Probleme hast, dann brauchst du in erster Linie einen Therapeuten, keine Hexe“. Dennoch glaubt sie an die unterstützende Kraft der Magie und selbst wenn es am Ende nur ein Placebo-Effekt wäre, sei es etwas Schönes, solange es niemandem schadet.
Ein Blick in die Zukunft
Frieda freut sich über das wachsende Interesse an der Hexerei. In einer immer schwerer werdenden Welt suchen Menschen Halt und ein Gefühl von Kontrolle. Für sie ist die Arbeit mit Archetypen wie „Lilith“ ein Symbol für Freiheit und Selbstbestimmung. Ihr Rat an alle Interessierten: „Einfach machen“. Ein kleines Schutzritual kann bereits ein Gefühl von Sicherheit im Leben vermitteln.
Ob die Gesellschaft bereit ist für wahre Selbstbestimmung, bleibt für Frieda offen, aber sie wünscht es sich für alle Frauen und Männer gleichermaßen. Eines ist sicher: Frieda hat ihren Platz zwischen den Welten gefunden und ihr Weg ist noch lange nicht zu Ende.
Mehr von Frieda findet ihr auf ihren Social-Media-Kanälen
TikTok: @frieda.fae
Instagram: @friedafaee
Wir bedanken uns ganz herzlich bei Frieda für dieses offene und ehrliche Interview und wünschen ihr für ihren weiteren Weg alles Gute!
