Umstellung der Abfallwirtschaft: Was Hettstedt über die flächendeckende Biotonne ab 2027 wissen muss
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Hettstedt | Mansfeld-Südharz – Im Landkreis Mansfeld-Südharz wird die Müllabfuhr neu aufgestellt: Ab dem 1. Januar 2027 wird die braune Biotonne flächendeckend zur Pflicht für alle Haushalte. Was bisher auf freiwilliger Basis lief, setzt nun verbindlich die Vorgaben des bundesweiten Kreislaufwirtschaftsgesetzes (§ 17 KrWG) um, nach dem biologisch abbaubare Abfälle getrennt erfasst werden müssen.
Während der Landkreis die Eckdaten der Umstellung in einem offiziellen Social-Media-Beitrag umrissen hat, liefert ein genauer Blick in die Satzungen und Betriebsvorgaben des kreiseigenen Eigenbetriebs Abfallwirtschaft (EAW) die konkreten Details zu Technik, Befüllung, Nachbarschaftsmodellen und Ausnahmen.
Behältergrößen, Identsystem und Entsorger
Die logistische Bereitstellung der Biotonnen erfolgt nicht durch den Landkreis selbst, sondern über das beauftragte Partnerunternehmen RES GmbH (Recycling und Entsorgungs-Service) im Auftrag des EAW.
- Zulässige Behälter: Grundstückseigentümer können zwischen zwei genormten Tonnengrößen wählen:
– 120-Liter-Tonne (maximale Zuladung: 48 kg)
– 240-Liter-Tonne (maximale Zuladung: 96 kg) - Chip und Datenerfassung: Jede Biotonne ist (analog zu den Restmülltonnen) mit einem elektronischen Transponder-Chip ausgestattet. Das Identsystem an den Sammelfahrzeugen registriert bei jedem Kippvorgang Chipnummer, Datum und Uhrzeit und übermittelt die Datensätze per Datenfunk direkt an die Abrechnungssysteme des EAW.
Was darf hinein und wann bleibt die Tonne stehen?
Aufgrund strenger Verwertungsrichtlinien überwachen die Müllwerker die Befüllung genau. Tonnen mit gravierenden Fehlwürfen werden mit einem Beanstandungsaufkleber markiert und nicht geleert.
- Streng verboten in der braunen Tonne:
– Plastiktüten aller Art (auch keine als „kompostierbar“ deklarierten Plastik-Biobeutel)
– Fleischreste, Knochen, Schlachtabfälle und Tierkadaver
– Tierische und menschliche Exkremente sowie verunreinigte Einstreu / Katzenstreu
– Hygieneartikel, Staubsaugerbeutel, Kehricht, Asche und Zigarettenkippen - Geplanter Verwertungsweg: Die gesammelten organischen Reste werden ab 2027 regional weiterverarbeitet. Geplant ist die Einspeisung in eine bioenergetische Verwertungs- und Vergärungsanlage in Edersleben. Durch diesen regionalen Verwertungskreislauf sollen Transportwege minimiert und Erlöse aus der Biogas- bzw. Energiegewinnung erzielt werden, um die Gesamtkosten im Gebührenhaushalt abzufedern.
Abholrhythmus, Leerungszeiten und Reinigung
Für den Tourenplan greift eine klare jahreszeitliche Trennung:
- Frühjahr bis Herbst (April bis Oktober): Wöchentliche Leerung, um Madenbildung und Gerüchen bei Sommerhitze vorzubeugen.
- Wintermonate (November bis März): 14-täglicher Abholrhythmus.
- Bereitstellung: Wie bei allen Abfallfraktionen im Landkreis gilt: Die Tonnen müssen am Entleerungstag bis spätestens 6:00 Uhr morgens gut zugänglich am Straßenrand bereitstehen; der Deckel muss vollständig geschlossen sein.
- Behälterhygiene: Im Service inbegriffen ist eine Behälterreinigung durch ein spezielles Waschmobil, die der Landkreis im aktuellen Konzept auf zweimal jährlich ohne Aufpreis ausgeweitet hat.
Nachbarschaftstonne: Entlastung bei beengtem Platz
Gerade in eng bebauten Quartieren im Hettstedter Stadtgebiet oder in den Ortsteilen stellt das Aufstellen einer weiteren Tonne Hausbesitzer vor Platzprobleme. Hier erlaubt die Abfallwirtschaft eine pragmatische Lösung:
- Bis zu drei unmittelbar aneinandergrenzende Nachbargrundstücke können eine offizielle Entsorgungsgemeinschaft bilden und sich eine gemeinsame Biotonne teilen.
- Dies senkt nicht nur den Stellplatzbedarf am Gehweg, sondern erleichtert die Handhabung bei kleineren Haushaltsgrößen.
Ausnahme von der Anschlusspflicht: Regeln für Eigenkompostierer
Der generelle Anschluss- und Benutzungszwang greift nicht ausnahmslos. Wer seinen Biomüll komplett auf dem eigenen Grundstück verwertet, kann sich befreien lassen. Die Hürden dafür sind in der Abfallsatzung klar geregelt:
- Voraussetzungen: Nachweis über ausreichende Gartenfläche, die Einhaltung von Mindestabständen zu Nachbargrenzen und offenen Gewässern, der Ausschluss von Geruchsbelästigungen sowie ein schädlingssicheres Kompostiersystem.
- Verfahren: Der EAW stellt ab Januar 2027 ein eigenes Antragsformular bereit. Die Anträge werden von den Mitarbeitern des Eigenbetriebs geprüft, inklusive möglicher Vor-Ort-Kontrollen der Kompostieranlage.
Gebührenfrage und Auslieferungsfahrplan
Der Landkreis betont, dass die flächendeckende Ausweitung für die Bürger kostenneutral bleiben soll. Die Rechnung dahinter: Da Biomüll bisher einen erheblichen Gewichts- und Volumenanteil im Restmüll ausmacht, verringert sich das Aufkommen der schwarzen Tonne deutlich. Zudem entfallen kostenintensive Sonderentsorgungen und Selbstanlieferungen auf Wertstoffhöfen.
Der genaue Terminplan, wann die neuen braunen Behälter in Hettstedt und den Ortsteilen ausgeliefert werden, befindet sich aktuell in der Feinabstimmung. Sobald die Touren und Antragsfristen des EAW feststehen, wird Hettstedt Live zeitnah berichten.
