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Was entsteht da eigentlich? Warum Hettstedt 3 Millionen Euro in den neuen Quartierspark investiert und wieso das Geld für nichts anderes da war

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Hettstedt – In den sozialen Netzwerken und an den Stammtischen wird seit dem Spatenstich heiß diskutiert: Warum baut Hettstedt ausgerechnet einen „Quartierspark“? Was bedeutet dieser Begriff überhaupt? Und vor allem die Gretchenfrage, die vielen unter den Nägeln brennt: „Hätten wir mit den rund 3 Millionen Euro nicht lieber Straßen sanieren, Schlaglöcher stopfen oder Schulen renovieren können?“

Die kurze Antwort lautet: Nein, das durfte die Stadt nicht.

Die ausführliche Antwort zeigt, was hinter den Kulissen passiert ist, warum das Geld zweckgebunden ist und was die Anwohner im Hettstedter Norden ganz konkret von dem Großprojekt haben.

Was ist überhaupt ein „Quartierspark“?

Vergessen wir das Amtsdeutsch: Ein Quartier ist in der Stadtplanung schlicht die Bezeichnung für ein bestimmtes Wohnviertel oder eine Nachbarschaft. Im konkreten Fall geht es um das Wohngebiet im Hettstedter Norden, genauer gesagt um das Areal zwischen Birkenhain und Kiefernweg, direkt an der Novalis Grundschule.

Ein Quartierspark ist folglich kein abgelegener Wald und auch kein Schlosspark zum Flanieren mit Eintrittskarte. Es ist eine öffentliche Grün- und Freizeitanlage direkt vor der eigenen Haustür. Er soll für Kinder, Jugendliche, Familien und Senioren aus der unmittelbaren Umgebung schnell zu Fuß oder mit dem Rollator erreichbar sein.

Auf den rund 13.000 Quadratmetern, das entspricht etwa der Größe von zwei Fußballfeldern, entsteht bis Ende 2027 ein barrierefreier Treffpunkt:

  • Sport und Bewegung: Spiel- und Sportgeräte für Kinder, Jugendliche und Vereine.
  • Erholung und Verweilen: Zahlreiche Bänke, Ruhezonen und Trinkbrunnen.
  • Bildung im Grünen: Lern- und Naturstationen, die von den benachbarten Schulen und Kitas genutzt werden können.
  • Treffpunkt für alle Generationen: Orte für Nachbarschaftsbegegnungen statt grauer Beton- oder Schotterbrache.

Warum floss das Geld nicht in Straßen, Kitas oder Schlaglöcher?

Das ist der Punkt, an dem sich die Gemüter am meisten erhitzen. Doch hier greift das strenge deutsche Förderrecht:

  1. 85 Prozent zahlt der Bund: Von den Gesamtkosten in Höhe von rund 3 Millionen Euro muss Hettstedt den kleinsten Teil selbst aufbringen. Satte 2,55 Millionen Euro stammen direkt aus Berlin.
  2. Strenge Zweckbindung: Dieses Geld stammt aus dem Bundesprogramm „Anpassung urbaner und ländlicher Räume an den Klimawandel“. Der Bund stellt solche Fördertöpfe ausschließlich für exakt definierte Projekte zur Verfügung.
  3. Die eiserne Regel: Hettstedt hatte die Wahl: Bewerben wir uns mit einem passenden Grün- und Klimaprojekt und holen 2,55 Millionen Euro in unsere Stadt, oder tun wir es nicht und bekommen null Euro. Ein Umleiten der Fördermittel in andere städtische Aufgaben (wie Straßenbau, Kanalsanierung oder allgemeine Haushaltslöcher) ist gesetzlich verboten. Hätte die Stadt versucht, das Fördergeld zweckentfremdet einzusetzen, wäre der Bescheid sofort widerrufen worden und die Millionen wären in eine andere Kommune geflossen.

Was hat der Park mit dem Klimawandel zu tun?

Oft klingt „Klimaanpassung“ nach abgehobener Politik. Im Hettstedter Norden geht es dabei um ganz greifbare Probleme, die jeder Anwohner im Sommer kennt:

  • Hitzeschutz und Schatten: Bislang heizt sich die graue Freifläche im Sommer massiv auf. Durch die Pflanzung zahlreicher Bäume und Sträucher entsteht eine „grüne Lunge“. Sie kühlt das umliegende Wohngebiet spürbar ab und spendet natürlichen Schatten.
  • Schwammstadt-Prinzip statt Überschwemmung: Bei sommerlichen Starkregenereignissen sind Kanäle oft überfordert. Der Park erhält ein durchdachtes, ökologisches Regenwassermanagement. Das Wasser versickert direkt vor Ort im Boden, wird im Viertel gehalten und schützt die Infrastruktur, anstatt ungebremst in Keller oder Kanäle zu rauschen.
  • Mehr Natur in der Stadt: Es entstehen naturnahe Lebensräume für Insekten und Vögel mitten im Wohngebiet.

Fazit: Eine Chance für den Hettstedter Norden
Man kann geteilter Meinung über manche Bundesvorgaben sein. Doch für Hettstedt bedeutet der Quartierspark einen echten Gewinn: Ein seit Jahren brachliegendes oder grau wirkendes Areal verwandelt sich für die Menschen vor Ort in einen modernen, grünen Begegnungsraum und das zu 85 Prozent bezahlt aus Bundesmitteln.

Bis Ende 2027 die Bagger abrücken und der Park offiziell eröffnet wird, wird sich auf der Großbaustelle im Norden jedenfalls einiges tun.