Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: AfD verfehlt knapp absolute Mehrheit – BSW wird zum entscheidenden Faktor
Magdeburg | Hettstedt. Bei der Wahl zum 9. Landtag von Sachsen-Anhalt liegt das vorläufige Ergebnis vor. Die Alternative für Deutschland (AfD) geht mit deutlichem Vorsprung als stärkste Kraft aus der Wahl hervor, verfehlt die absolute Mehrheit der Sitze jedoch denkbar knapp. Durch die Absage einer Koalition mit der Linken seitens der CDU und das Scheitern der FDP an der Fünf-Prozent-Hürde steht das Parlament vor einer äußerst komplexen Regierungsbildung.
Die vorläufige Sitzverteilung im Überblick
Basierend auf dem vorläufigen amtlichen Zweitstimmenergebnis ergibt sich bei den berücksichtigten Parteien folgendes Bild bei der Mandatsverteilung (83 Sitze gesamt):
- AfD: 39 Sitze (43,8 %)
- CDU: 15 Sitze (17,2 %)
- SPD: 8 Sitze (9,3 %)
- Bündnis 90/Die Grünen: 8 Sitze (8,9 %)
- Die Linke: 8 Sitze (8,6 %)
- BSW (Bündnis Sahra Wagenknecht): 5 Sitze (5,3 %)
Die FDP (2,6 %) sowie die Freien Wähler (1,2 %) verfehlen die Fünf-Prozent-Hürde und sind im künftigen Landtag nicht vertreten.

Für eine absolute Mehrheit im Parlament werden mindestens 42 Mandate benötigt.
BSW als Zünglein an der Waage: Welche Bündnisse sind mathematisch möglich?
Die parlamentarische Arithmetik stellt die Parteien im Landtag vor historische Herausforderungen. Klassische Dreier-Bündnisse erreichen keine Mehrheit mehr.
1. Bündnisse mit der AfD:
- AfD + BSW (44 Sitze): Mit 39 Sitzen fehlen der AfD lediglich 3 Mandate zur absoluten Mehrheit. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) kommt auf 5 Sitze. Rechnerisch würde eine Koalition aus AfD und BSW auf 44 Sitze kommen und damit die erforderliche Mehrheit klar erreichen. Da das BSW bereits Gesprächsbereitschaft signalisiert hat und in einzelnen Themenfeldern Schnittmengen existieren, gilt dieses Szenario als die einzige funktionierende Zwei-Parteien-Option.
- AfD + CDU (54 Sitze): Wäre mathematisch eine deutliche Mehrheit, wird jedoch von der CDU aufgrund bestehender Parteibeschlüsse weiterhin ausgeschlossen.
2. Bündnisse ohne die AfD:
- Bündnis aller übrigen Parteien (44 Sitze): Da die CDU eine Zusammenarbeit mit der Linken ausschließt, fallen Bündnisse wie CDU/SPD/Linke weg. Rechnerisch bliebe den übrigen Kräften zur Bildung einer Mehrheit gegen die AfD nur ein historisch beispielloses Fünf-Parteien-Bündnis aus CDU, SPD, Grünen, Die Linke und BSW (zusammen 44 Sitze).
