Es ist das Lieblingsargument an jedem Hettstedter Stammtisch: „Das Mansfeld-Center macht uns alles kaputt.“ Es ist die bequemste Ausrede der Welt. Denn solange wir einen Sündenbock vor den Toren der Stadt haben, müssen wir uns nicht an die eigene Nase fassen. Doch Hand aufs Herz: Nicht die Revitalisierung der „grünen Wiese“ lässt unseren Markt ausbluten, es ist unsere eigene Bequemlichkeit.
Schaut euch um: Wir haben (noch) alles!
Wer behauptet, in Hettstedt gäbe es nichts mehr, der läuft mit geschlossenen Augen durch die Stadt. Wir haben eine Vielfalt direkt am Markt, um die uns andere Kleinstädte beneiden würden:
• Uhren & Schmuck: Fachhandel für die bleibenden Werte.
• Buchhandlung: Lesestoff mit persönlicher Empfehlung statt anonymem Algorithmus.
• Fahrradladen: Wo Handwerk noch zählt und der Service vor Ort ist.
• Fotogeschäft: Profis, die Momente festhalten, statt nur auf den Auslöser zu drücken.
• Reisebüro: Echte Experten, die den Urlaub planen, statt stundenlanger Suche im Internet-Dschungel.
• Vodafone Shop: Hilfe bei Technikfragen von Mensch zu Mensch, statt Warteschleife am Telefon.
• Frische vor der Haustür: Ein Minimarkt mit Obst und Gemüse sowie der regionale Minimarkt Faust.
• Mode: Drei Bekleidungsläden, in denen man Stoffe noch anfassen und anprobieren kann.
Das Paketauto ist kein Retter
Warum bangen diese Händler um ihre Existenz? Sicher nicht, weil ein paar Kilometer weiter neue Läden öffnen. Sie bangen, weil das Paketauto zur Dauer-Deko in den Wohnstraßen geworden ist. Wer „Support your Local“ nur postet, aber beim ersten Mausklick doch wieder beim Online-Riesen bestellt, entzieht seiner eigenen Heimat die Lebensgrundlage.
Der Kunde trifft jeden Tag eine Wahl: Will ich die anonyme Abwicklung im Netz? Oder will ich fachkundige Beratung, ein echtes Lächeln und einen belebten Marktplatz, auf dem man sich noch begegnet?
Hettstedt hat es selbst in der Hand
Wir Einwohner sind maßgeblich dafür verantwortlich, was mit den Händlern auf dem Markt passiert. Jeder Euro, den wir lokal ausgeben, ist eine Investition in die Attraktivität unserer Stadt. Wenn die Lichter in den Schaufenstern erst einmal dunkel sind, kommen sie nicht wieder zurück, egal wie laut wir dann später über die „tote Innenstadt“ jammern.
Statt also kritisch auf die Entwicklungen im Mansfeld-Center zu schielen, sollten wir lieber mal wieder die Klinken der Läden am Markt drücken. Denn am Ende entscheidet nicht der Investor über das Schicksal von Hettstedt, sondern unser eigener täglicher Weg zum Einkauf.
Kauf lokal. Sonst ist es weg.



