Hettstedt – Die winterliche Witterung der letzten Tage hat an der Wipper, dem Ölgrundteich und dem Tonloch zur Bildung von Eisschichten geführt. Trotz der optischen geschlossenen Decken bleibt das Betreten dieser Flächen lebensgefährlich.
Durch die anhaltenden Temperaturen unter dem Gefrierpunkt sind viele Gewässer im Stadtgebiet teilweise oder vollständig mit Eis bedeckt. Fachlich betrachtet ist die Tragfähigkeit dieser Schichten jedoch unzureichend. Eine geschlossene Eisdecke ist kein Indikator für Stabilität, da verschiedene Faktoren die Struktur des Eises beeinflussen.
Die physikalische Situation an den Gewässern
Die Risiken unterscheiden sich je nach Beschaffenheit des Gewässers:
Fließgewässer (Wipper): Bei der Wipper verhindert die ständige Wasserbewegung eine gleichmäßige Eisbildung. Durch unterschiedliche Strömungsgeschwindigkeiten und Wassertemperaturen wird das Eis von unten her unregelmäßig abgetragen. Es entstehen gefährliche Hohlstellen, die von oben nicht sichtbar sind.
Stehende Gewässer (Ölgrundteich, Tonloch): Hier kann das Eis zwar schneller wachsen, doch organische Zersetzungsprozesse am Boden lösen Gase aus. Diese steigen auf und führen zu Lufteinschlüssen im Eis, welche die Struktur porös und instabil machen.
Gefahren durch Einbrechen
Ein Einbrechen in Gewässer bei winterlichen Temperaturen stellt eine unmittelbare Bedrohung dar. Das Wasser hat in der Regel Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Bei einem Sturz in das Wasser tritt ein Kälteschock ein, der zu unkontrollierter Atmung und einer schnellen Auskühlung der Muskulatur führt. Dies macht es Verunfallten bereits nach kürzester Zeit unmöglich, sich aus eigener Kraft an die Oberfläche oder zurück auf das Eis zu retten.
Allgemeine Verhaltensempfehlungen
Um Unfälle zu vermeiden, gilt die allgemeine Empfehlung, Eisflächen grundsätzlich nicht zu betreten, solange keine langanhaltende, starke Frostperiode für eine ausreichende Kerneisschicht gesorgt hat. Besondere Aufmerksamkeit ist im Bereich von Uferzonen und Brückenpfeilern geboten, da das Eis dort durch Wärmespeicherung der Objekte oder durch Verwirbelungen meist am dünnsten ist.
Foto: Lena Marquardt



