Drei Suspendierungen pro Schultag: Neue Gesetzeslage verschärft Schulausschlüsse in Sachsen-Anhalt
Hettstedt/Region. Ein aktueller Bericht des MDR beleuchtet die drastische Entwicklung der Schulsuspensionen in Sachsen-Anhalt. Die statistischen Daten und die geänderte Rechtslage zeigen, dass die Hürden für längere Schulausschlüsse deutlich gesenkt wurden, während die personelle Unterstützung an den Schulen hinterherhinkt.
Drastischer Anstieg der Fallzahlen
Die Zahl der Suspendierungen im Land ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Im Schuljahr 2021/22 wurden landesweit 395 Fälle registriert. Bis zum Schuljahr 2024/25 kletterte dieser Wert auf insgesamt 525 Fälle. Rein rechnerisch entspricht dies etwa drei Suspendierungen an jedem Schultag im Land Sachsen-Anhalt.
Ein wesentlicher Faktor für diese Entwicklung ist laut dem „Schulbarometer 2025“ der Mangel an Alternativen. In Ostdeutschland geben lediglich 46 Prozent der Lehrkräfte an, dass an ihrer Schule ausreichend psychosoziale Unterstützung vorhanden ist. Dieser Wert liegt deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt. Ohne ausreichendes Personal wie Schulsozialarbeiter oder Psychologen bleibt den Schulen im Konfliktfall oft nur die Suspendierung, um den weiteren Betrieb aufrechtzuerhalten.
Längere Auszeiten durch Gesetzesänderung
Seit dem Schuljahr 2024/25 haben sich die rechtlichen Rahmenbedingungen für Schulausschlüsse massiv verändert:
- Regeldauer: Die mögliche Dauer einer Suspendierung wurde von zuvor fünf Tagen auf bis zu 20 Schultage, also vier volle Wochen, ausgeweitet.
- Sonderfälle: In extremen Einzelfällen können sogenannte „Präventionsmaßnahmen“ sogar eine Dauer von bis zu drei Monaten erreichen.
Hintergründe und staatliche Vorgaben
Nach Angaben des MDR betont das Bildungsministerium in Magdeburg, dass diese Verschärfung auf einen Wunsch aus den Schulen zurückgeht, um mehr Zeit für die Aufarbeitung schwerer Konflikte zu gewinnen. Dennoch gibt es klare Vorgaben für den Ablauf dieser Maßnahmen:
- Ordnungsmaßnahmen müssen zwingend von Präventions- und Interventionshilfen begleitet werden.
- Bei langfristigen Ausschlüssen ist die Information des Jugendamtes verpflichtend, um die Betreuung der betroffenen Kinder und Jugendlichen sicherzustellen.
Fazit für Hettstedt
Die neuen Zahlen und die geänderte Gesetzeslage zeigen, dass der Druck auf das Schulsystem wächst. Während die längeren Ausschlusszeiten den Schulen zwar mehr Spielraum geben, bleibt das Grundproblem, der Mangel an psychosozialer Unterstützung, weiterhin bestehen. Für die betroffenen Schüler in unserer Region bedeutet dies ein erhöhtes Risiko, den Anschluss an den Lernstoff und das soziale Gefüge zu verlieren.
Quellen:
[1] MDR-Bericht: „Drei Suspendierungen pro Schultag / Längere Auszeiten durch Gesetzesänderung“ (Beitrag inklusive Daten aus dem Schulbarometer 2025 und Informationen des Bildungsministeriums Magdeburg).

