Vollsperrung im Sportpark Hettstedt: Wenn die Versäumnisse der Vergangenheit die neue Stadtführung einholen
Hettstedt – Die Nachricht kam für viele Freizeitsportler überraschend, doch für Insider mit jahrelanger Ansage: Die Stadt Hettstedt hat den Polytanplatz im Sportpark am Kirschweg mit sofortiger Wirkung voll gesperrt. Eine aktuelle Begutachtung brachte erhebliche Mängel ans Licht – von großflächigen Ablösungen des Belags über offene Risse bis hin zu Fehlstellen. Das Verletzungsrisiko ist einfach zu hoch.
Während in den sozialen Netzwerken bereits heiß diskutiert wird, hat Hettstedt Live direkt bei der Stadtverwaltung nachgehakt. Die exklusiven Antworten zeigen: Das Problem wurde jahrelang verschleppt und fällt dem neuen Bürgermeister nun direkt vor die Füße.
Warum „Auf eigene Gefahr“ rechtlich absolut unmöglich ist
Viele Nutzer fordern im Netz, man solle den Platz einfach offenlassen und ein Schild mit der Aufschrift „Betreten auf eigene Gefahr“ aufzustellen. Doch was nach gesundem Menschenverstand klingt, ist rechtlich für eine Stadtverwaltung absolut unmöglich. Hier greift die strikte Verkehrssicherungspflicht (§ 823 BGB):
- Keine Risikoübertragung: Eine Kommune kann ihre Pflicht zur Gefahrenabwehr nicht per Hinweisschild auf die Bürger abwälzen.
- Die Haftungsfalle: Da die Stadt durch die Begutachtung nun positive Kenntnis von den schweren Mängeln hat, würde sie bei Unfällen voll haftbar gemacht werden. Es drohen Klagen wegen Amtspflichtverletzung.
- Die Konsequenz: Um Schaden von den Bürgern (und der Stadtkasse) abzuwenden, war die Vollsperrung für die Verwaltung der einzig rechtssichere Schritt.
Chronik eines angekündigten Verfalls: Geflickte Netze und Wespennester
Wer den Platz in den letzten Jahren aktiv genutzt hat (ob für Volleyball im Sommer oder eine schnelle Runde Basketball am Feierabend), dem bot sich schon lange ein Bild des Jammers. Der Platz löst sich seit Jahren schleichend auf.
Weil von offizieller Seite in der Vergangenheit nichts passierte, griffen Sportler sogar zur Selbsthilfe und flickten die uralten Netze provisorisch selbst. Hinzu kommt der unterirdische Zustand der Basketballkörbe, in deren Aufhängung sich zudem fast jedes Jahr ein großes Wespennest einnistete; eine echte Gefahr direkt neben dem Spielfeld.
Die Altlasten fallen der neuen Führung vor die Füße
Das Bittere an der Sperrung: Das Rathaus wusste seit Jahren Bescheid. Auf Anfrage von Hettstedt Live bestätigte die Stadtverwaltung offiziell:
„Der Zustand des Polytanplatzes wurde in den vergangenen Jahren wiederholt thematisiert. Aufgrund der angespannten Haushaltslage mussten jedoch bei den Haushaltsberatungen regelmäßig Prioritäten gesetzt werden, sodass eine grundhafte Sanierung des Platzes leider nicht umgesetzt werden konnte.“
Übersetzt heißt das: Das Problem wurde in der vorherigen Amtsperiode Jahr für Jahr auf die lange Bank geschoben. Die Quittung für dieses jahrelange Wegsehen hat nun der aktuelle Bürgermeister Frank Tallig auf dem Tisch liegen. Er ist erst seit Februar dieses Jahres im Amt und muss nun als Krisenmanager die Versäumnisse der vergangenen Ära ausbaden. Was über Jahre hinweg liegen gelassen wurde, lässt sich jetzt nicht mehr mit kosmetischen Pflastern reparieren.
Die exklusive Auskunft der Stadt: So geht es jetzt weiter
Pressesprecherin Christin Saalbach beantwortete die Fragen von Hettstedt Live zum weiteren Ablauf wie folgt:
1. Wird die Anlage jetzt komplett saniert (inklusive Körbe, Netze & Wespenproblem)?
Antwort der Stadt: Ziel der Sanierung ist es, den Platz wieder in einen sicheren, nutzbaren und bespielbaren Zustand zu versetzen. Dazu gehört laut Verwaltung auch, dass defekte oder nicht mehr nutzbare Ausstattungsgegenstände (wie Körbe und Netze) instand gesetzt oder erneuert werden. Was genau gemacht wird, soll eine fachliche Bewertung zeigen.
2. Gibt es einen Zeitplan oder provisorische Übergangslösungen?
Antwort der Stadt: Einen konkreten Zeitplan gibt es noch nicht, die Sperrung muss bis zur Durchführung der notwendigen Sanierungsmaßnahmen bestehen bleiben. Einen vergleichbaren Ausweichplatz im Stadtgebiet kann die Stadt derzeit leider nicht anbieten.
3. Welche Alternativen haben Hobbysportler ab sofort?
Als Übergangslösung verweist die Stadt auf andere Angebote im Stadtgebiet:
- Den Trimm-Dich-Pfad
- Das Soccerfeld an der Drushba-Halle
- Das Freibad Hettstedt während der laufenden Sommersaison
Sobald ein konkreter Zeitplan für die Sanierung feststeht, will die Stadt die Öffentlichkeit umgehend informieren.
