Titelgrafik zum Verfassungsschutzbericht 2025 für den Landkreis Mansfeld-Südharz. Auf einem neutralen, unscharfen Hintergrund stehen auf einer dunklen Tischfläche ein blaues Polizeilicht, ein Aktenordner mit der Beschriftung „Extremismusbekämpfung“ sowie eine Checkliste mit den Punkten „Reichsbürger“, „Rechtsextremismus“ und „Linksextremismus“. Rechts ist ein Stapel von Berichtsheften mit der Aufschrift „Verfassungsschutzbericht Sachsen-Anhalt 2025“ abgebildet. Links steht groß der Titel „Verfassungsschutzbericht 2025 – Regionalanalyse Landkreis Mansfeld-Südharz“. Die Darstellung vermittelt den Charakter einer sachlichen behördlichen Analyse zu sicherheitsrelevanten Entwicklungen in der Region.

Regionalanalyse: Der Verfassungsschutzbericht 2025 für den Landkreis Mansfeld-Südharz

Magdeburg | Mansfeld-Südharz – Das Ministerium für Inneres und Sport hat den neuen Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2025 vorgelegt. Während Großstädte wie Halle oder Magdeburg oft im medialen Rampenlicht stehen, zeigt der Blick in die Details: Auch direkt vor unserer Haustür im Landkreis Mansfeld-Südharz verzeichnen die Behörden eine spürbare Dynamik.

Wir von Hettstedt Live haben das rund 120-seitige Dokument intensiv analysiert und die wichtigsten regionalen Erkenntnisse für Sie zusammengefasst.

Phänomenbereich „Reichsbürger“ und „Selbstverwalter“

Die Behörden beziffern das Personenpotenzial in diesem Bereich landesweit unverändert auf rund 700 Personen. Für den Landkreis Mansfeld-Südharz werden folgende Aktivitäten und Gruppierungen aufgeführt:

„Gemeine Südharz“

  • Struktur: Die Gruppierung wurde laut Gründungsurkunde Ende 2022 von sieben Personen ins Leben gerufen. Im Jahr 2025 werden ihr etwa 45 Personen zugerechnet, die teils auch in anderen Landkreisen oder außerhalb Sachsen-Anhalts ansässig sind. Sie gilt laut Bericht als die derzeit größte und aktivste Reichsbürgergruppierung in Sachsen-Anhalt.
  • Aktivität: Die Gruppe fiel im Berichtszeitraum durch das Versenden zahlreicher Schreiben im pseudobehördlichen Duktus an Behörden auf. Darin wird den offiziellen Stellen die Zuständigkeit abgesprochen und behauptet, die Gruppierung sei selbst verwaltungsrechtlich befugt, Maßnahmen gegenüber ihren Anhängern zu veranlassen.
  • Vorfälle in Sangerhausen: Im September 2025 kam es im Zuge einer geplanten Zwangsräumung des Wohnhauses eines Mitglieds in Sangerhausen zu polizeilichen Maßnahmen. Drei Angehörige der Gruppe versuchten die Räumung zu behindern, erhielten Platzverweise und wurden nach dem erneuten Betreten des Hauses kurzzeitig in Gewahrsam genommen. Fünf Tage später unterband die Polizei einen weiteren Versuch desselben Personenkreises, das geräumte Grundstück mittels Betonklötzen für den neuen Besitzer unnutzbar zu machen.


„Stiller Protest“

  • Aktivität: Unter dieser Bezeichnung wurden im Berichtszeitraum wiederkehrende Versammlungen an der Bundesstraße 86 (B 86) in Sangerhausen registriert. Die Teilnehmerzahlen werden als „sehr gering“ eingestuft. Der bekannte Personenkreis unterstützte zudem gleichgelagerte Versammlungen in Niedersachsen und Brandenburg.

Phänomenbereich Rechtsextremismus

Im Landkreis wurden für das Jahr 2025 sowohl ortsgebundene Infrastrukturen als auch temporäre Zusammenschlüsse erfasst:

Szeneobjekt in Allstedt (OT Sotterhausen)

  • Infrastruktur: Das von Enrico Marx betriebene Objekt in Sotterhausen verzeichnete im Jahr 2025 aufgrund behördlicher Maßnahmen einen Rückgang der Veranstaltungszahlen.
  • Ereignisse:
  • Am 21. Juni 2025 fand auf dem Gelände eine Sommersonnenwendfeier statt, bei der Fahrzeuge aus Sachsen und Sachsen-Anhalt festgestellt wurden. Die Partei „Der III. Weg“ nutzte die Veranstaltung laut eigenen Angaben für einen Informationsstand.
  • Am 21. Dezember 2025 wurde eine Wintersonnenwendfeier im Nahbereich des Grundstücks registriert. Die polizeiliche Kennzeichenerfassung stellte Teilnehmer aus dem Burgenlandkreis, dem Saalekreis, dem Salzlandkreis, dem Altmarkkreis Salzwedel sowie den Landkreisen Harz und Mansfeld-Südharz fest.

„Bruderschaft Mansfeld-Südharz“

  • Struktur: Ende April 2025 wurde im Zuge von Internetrecherchen eine virtuelle Gruppierung unter diesem Namen festgestellt, deren Gründung in den sozialen Medien auf Oktober 2024 datiert wurde. Die Behörden stuften die Gruppe als mutmaßlich aktionsorientierte Jugendgruppe ein, die in ihren Beiträgen zur Organisation in „heimattreuen“ Strukturen aufrief.
  • Entwicklung: Am 10. Juni 2025 wurde die Auflösung der Gruppierung öffentlich bekanntgegeben. Der Bericht ordnet diese kurze Lebensdauer als typisch für unverbindliche Personenzusammenschlüsse in diesem Segment ein.

Aktivitäten beim Questenfest (Gemeinde Südharz)

  • Ereignisse: Zum traditionellen Pfingstfest in Questenberg stellte die Polizei Teilnehmer aus der rechtsextremistischen Szene des Burgenlandkreises, der Stadt Halle (Saale), aus Anhalt-Bitterfeld sowie aus Thüringen und Niedersachsen fest.
  • Zugehörige Veranstaltungen: Der völkische Liedermacher Michael Hoffmann („Andi Hoffnung“) bewarb und führte am Pfingstsonntag eine Volkstanzveranstaltung im Ortsteil Schwenda durch. Unter den in Volkstracht gekleideten Teilnehmern befanden sich Personen, die von den Behörden bereits bei früheren Veranstaltungen in der örtlichen Gastronomie in Questenberg festgestellt worden waren. Am Pfingstmontag wurde zudem die Teilnahme von Angehörigen der völkischen Szene am traditionellen Umzug mit den Traditionsfahnen zur Queste dokumentiert.

Phänomenbereich Linksextremismus

  • Regionale Datenlage: Der Bericht enthält für das Jahr 2025 keine Einträge, Nennungen oder statistischen Erfassungen von linksextremistischen Straftaten, Gruppierungen oder festen Strukturen im Territorium des Landkreises Mansfeld-Südharz. Die Schwerpunkte der linksextremistischen Szene in Sachsen-Anhalt liegen laut den behördlichen Daten weiterhin in den kreisfreien Städten Magdeburg und Halle (Saale) sowie in Teilen des Landkreises Harz und des Landkreises Wittenberg.


Den vollständigen Verfassungsschutzbericht 2025 in der Pressefassung können Sie auf den Seiten des Landes Sachsen-Anhalt abrufen.

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